Ob es sich um Wohnungen, Reihenhäuser oder Luxusvillen handelt – die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland ist enorm. Während Makler Rekordgewinne erzielen, warnen Kritiker vor einer möglichen ‚Blase‘, schreibt die Deutsche Welle.
Hamburg, München, Berlin, Stuttgart – in deutschen Städten reiben sich Immobilienmakler zufrieden die Hände. Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnete 2010 einen Anstieg der Transaktionen und Gewinne von bis zu 60 Prozent. Heute ist es möglich, fast alles mit Wänden und einem Dach in Deutschland zu verkaufen – manchmal sogar zu ungewöhnlich hohen Preisen. Die besten Angebote werden in großen Städten verzeichnet, insbesondere in solchen mit einer starken Wirtschaft.
An der Spitze dieser Pyramide steht sicherlich München. Diese Stadt ist traditionell die teuerste in Deutschland und beherbergt mehrere Unternehmen, die zu den größten des Landes gehören. Die Versicherungsunternehmen Allianz und Munich Re, die Automobilhersteller BMW und MAN, die Computer- und Technologiekonglomerate Infineon und Siemens – all diese Unternehmen, die im DAX, dem Hauptindex der erfolgreichsten deutschen Firmen, gelistet sind, haben ihren Hauptsitz in der bayerischen Hauptstadt. Dies bedeutet in der Regel viele Mitarbeiter, Top-Manager mit hohen Einkommen und insgesamt Wohlstand und Geld. In einem der Eliteviertel der Stadt, Nymphenburg, kosten durchschnittliche Villen laut einem der lokalen Immobilienmakler etwa eine halbe Million Euro.
Niedrige Zinsen und Angst vor Inflation
Als einen der Gründe für diese hohe Nachfrage nach Immobilien nennen Experten die sehr niedrigen Zinsen. Das Sparen in Banken ist nicht rentabel, da die Zinssätze bei etwa 1,6 Prozent keine signifikanten Renditen versprechen. Selbst Renditen von drei Prozent stellen eine Verdopplung der Erträge dar – und solche Renditen sind bei Immobilien in der Regel leicht erreichbar. Die niedrigen Zinsen, die Banken für ihre Kredite verlangen, ermutigen auch Menschen, die keine großen Geldreserven haben, in Immobilien zu investieren – in Deutschland gibt es den weit verbreiteten Glauben, dass die Investition von Geld in Wohnungen und Häuser eine sichere Anlage ist und sich immer auszahlt. Auf der anderen Seite gibt es auch die Angst vor Inflation: Obwohl Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern eine niedrige Inflation hat – 1,9 Prozent im Vergleich zu einem Durchschnitt von 2,2 in der Eurozone – fürchten die Deutschen, die traditionell gegen Börsenspekulationen sind, dass steigende Preise ihr angespartes Geld entwerten könnten, weshalb sie Immobilien als eine Form von „sicheren“ Ersparnissen wählen.
