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Erster Schritt in Richtung Bankenunion

Die Europäische Kommission hat heute offiziell einen bedeutenden Sieg in ihrem Bestreben verzeichnet, eine Bankenunion einzuführen, nachdem das Europäische Parlament die Einführung des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus für Banken (Single Supervisory Mechanism) genehmigt hat.

 Dies bedeutet, dass alle Banken in den Mitgliedsländern der Eurozone (rund sechstausend) sowie diejenigen in Mitgliedstaaten, die sich entscheiden, der Bankenunion beizutreten, ab September nächsten Jahres unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen werden. Die EZB wird besonderen Augenmerk auf große Banken legen, von denen es etwa 150 gibt, während kleinere Banken weiterhin hauptsächlich in der Verantwortung nationaler Aufsichtsbehörden liegen werden, obwohl letztendlich die EZB für alle verantwortlich sein wird. Der erste Schritt einer der wichtigsten Ideen der Kommission zur Reform des Finanzsystems der Europäischen Union, die von ihrem Präsidenten José Manuel Barroso stark unterstützt wurde, ist somit abgeschlossen, und nun steht die Kommission vor der Herausforderung des zweiten, umstritteneren Schrittes, des Einheitlichen Abwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism). 

Dieser Mechanismus soll den SSM ergänzen und als ‚Sicherheitsnetz‘ dienen, wenn eine Bank trotz des SSM unüberwindbare Schwierigkeiten in ihrem Betrieb hat. Die Aufgabe des SRM wäre es dann, eine solche Bank schnell und effizient abzuwickeln oder umzustrukturieren, ohne die Taschen der Steuerzahler zu belasten. Laut dem Vorschlag der Kommission würde die EZB Probleme an ein Komitee signalisieren, das aus Vertretern der Kommission, der EZB und relevanten nationalen Regulierungsbehörden (aus dem Land, in dem die Bank ihren Sitz hat, sowie aus den Ländern, in denen die Bank Filialen hat) besteht, welches dann die ‚Abwicklung‘ der Bank vorbereiten würde. Basierend auf seiner Empfehlung oder aus eigener Initiative würde die Kommission die endgültige Entscheidung über das Schicksal der Bank treffen. Die nationalen Behörden wären dann für die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen verantwortlich, obwohl das Komitee im Falle von Nichteinhaltung direkt die Verwaltung der Abwicklung der Bank übernehmen könnte. Die erforderliche Finanzierung würde aus dem Einheitlichen Abwicklungsfonds kommen, der durch Beiträge des Bankensektors selbst gefüllt wird, und nicht durch Steuerzahler oder nationale Haushalte. Es wird erwartet, dass die drei Schlüsselinstitutionen bis Ende des Jahres eine Einigung über den SRM erzielen, aber Barroso hat die Dringlichkeit nicht verborgen, indem er in der gestrigen Rede zur Lage der Union erneut zur zügigen Annahme des zweiten Schrittes aufgerufen hat.