Was Uber für Taxifahrer ist, sind MOOCs (Massive Open Online Courses) für angesehene, teure Universitäten. Diese ‚Kopfschmerzen‘ teilen zwei gemeinsame Nenner: die Finanzkrise und die technologische Revolution.
Online-Lernplattformen, die erst seit sieben Jahren existieren, versammeln zig Millionen von Studenten, die hoffen, sich in einer schrumpfenden Wirtschaft und bei Jobschließungen durch zusätzliche Seminare, Fähigkeiten und Wissen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Der erste MOOC wurde nur ein Jahr nach dem offiziellen Beginn der Krise, im Jahr 2008, in Kanada als Online-Computerkurs gestartet (es ist wahr, dass die ersten MOOCs ursprünglich in den Laboren amerikanischer Universitäten für experimentelles Lernen geschaffen wurden, mit der Idee, Bildung als ein fundamentales Recht jedes Menschen zu betrachten). Nur vier Jahre später wurden drei große ‚MOOC-sters‘ ins Leben gerufen: das gemeinnützige edX, geleitet von Harvard und MIT, Coursera, in Partnerschaft mit Stanford, und Udacity, eine kommerzielle Plattform, die von Sebastian Thrun, einem Professor, der einen Online-Computerkurs an Stanford unterrichtete, mitgegründet wurde. Obwohl es sich größtenteils um amerikanische Plattformen und amerikanische Online-‚Universitäten‘ handelt, sind weniger als ein Drittel der Studenten Amerikaner. Zum Beispiel gibt edX an, dass fast die Hälfte ihrer Studenten aus Entwicklungsländern kommt, und Coursera plant, über Amerika hinaus zu expandieren, mit einem Fokus auf Asien.
Wer wird überleben? Die Popularität dieser Plattformen demontiert veraltete Schul- und Universitätssysteme an zwei Fronten. Auf der einen Seite hat das Online-Lernen unwiderruflich revolutioniert das ‚Klassenzimmer‘. Langweiliges Pauken auf Universitätsbänken wird dem zerstörerischen Ansturm von interessantem, interaktivem, dynamischem Lernen durch Video-Workshops, Foren und den didaktischen Lernprozess kaum standhalten. Auf der anderen Seite, selbst wenn Kurse kostenpflichtig sind, ist ihr Preis im Vergleich zu dem, was die etablierten privaten Universitätsinstitutionen verlangen, ein echter Witz. Universitäten haben in der Tat die meisten ihrer steigenden Kosten auf die Studenten abgewälzt. Die Studiengebühren an privaten gemeinnützigen Hochschulen in der Krise in den USA sind um fast 30 Prozent gestiegen. Auch die Studiengebühren an staatlichen Universitäten sind leicht gestiegen und liegen zwischen acht und 19 Tausend Dollar. An privaten Hochschulen übersteigen die Studiengebühren 30 Tausend Dollar. Ist es da überraschend, dass die Schulden amerikanischer Studenten über eine Billion Dollar betragen? Tatsächlich schien es lange Zeit, dass sich eine solche Verschuldung lohnte, da die ‚Abschlussprämie‘ in Form besser bezahlter Jobs die Kosten des Diploms ausglich. Allerdings rentieren sich nicht alle Studiengänge, und die Vorstellung, dass jeder, der Schulden hat, einen gut bezahlten Job finden wird, der mehr als die Kreditrate in Amerika abdeckt, ist längst gestorben. Die Einschreibungen an traditionellen Präsenzhochschulen gehen im Durchschnitt um zwei Prozent pro Jahr zurück. Die Ratingagentur Moody’s sagt sogar eine tödliche Spirale von Hochschulschließungen voraus. Damit stehen die Türen für MOOCs weit offen!
