Die Eurozone steckt seit übermäßig langer Zeit in einer Phase niedriger Inflation, die trotz aller außergewöhnlichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) nur minimalen wirtschaftlichen Fortschritt geschaffen hat. Wir haben bereits den Punkt erreicht, an dem in Betracht gezogen wird, ob direkte Geldzahlungen auf Haushaltskonten den notwendigen Wandel herbeiführen und das Vertrauen der Bürger in eine bessere Zukunft stärken könnten, betont Christopher Dembik, ein Ökonom bei Saxo Bank, und erklärt, was dieses Konzept des sogenannten Helikoptergeldes für die Eurozone bedeuten würde.
– Die fehlgeleitete Politik des Programms zur quantitativen Lockerung und der negativen Zinssätze bedroht bereits die Glaubwürdigkeit der Zentralbank, und der Erfolg der US-Notenbank hilft der EZB ebenfalls nicht, da es scheint, dass sie mit ihren Maßnahmen die gewünschten Inflationsraten erreichen werden. Die Kerninflation, die von den Zentralbanken besonders überwacht wird, erreichte im Januar im vergangenen Jahr in den USA 1,7 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2014, während sie in der Eurozone im gleichen Zeitraum bei einem Prozent lag und, schlimmer noch, weiterhin zurückgeht – betont Dembik und fügt hinzu, dass zu Recht in Frage gestellt wird, ob die von der EZB eingesetzten Mechanismen, seien es Anleihekäufe oder negative Zinsen, ausreichend geeignet sind, um das Wirtschaftswachstum und die Inflation wiederherzustellen.
Die jetzt zur Diskussion stehende Option ist das sogenannte ‚Helikoptergeld‘, sagt Dembik und erklärt, dass die EZB bisher versucht hat, die Kreditkosten über den Interbankenmarkt zu senken, um die Kreditnachfrage zu stimulieren. Diese geldpolitischen Maßnahmen haben jedoch die reale Wirtschaft nicht wie ursprünglich erwartet beeinflusst. Die Kreditkosten sind für führende Unternehmen am Kapitalmarkt sowie für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU-Sektor), die von Geschäftsbanken Kredite aufnehmen, gesunken. Das Problem ist jedoch, dass niedrige Zinssätze nicht automatisch eine signifikante Erholung der privaten Investitionen implizieren. Sie führen in erster Linie zu erhöhten Aktienrückkäufen und höheren Barreserven in Unternehmen. Der KMU-Sektor weicht weiterhin Krediten aus, da das Vertrauen in das erwartete Wachstum und eine bessere Zukunft fehlt.
Die EZB kann die Zinsen immer weiter senken. Aber wenn nicht genügend Nachfrage nach Krediten besteht, werden Wachstum und Inflation nicht ausgelöst. Der Rückgang der Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA und der Eurozone ist die beste Darstellung eines solchen Trends, der seit der Finanzwende 2008 zunehmend präsent ist, betont Dembik.
