Jemand hat den Ausdruck 'Tanz mit Corona' erfunden und verbreitet. Und seitdem tanzt weltweit jeder mit Corona. Jeder mit jedem, niemand mit jemandem mehr als zweimal in einer Saison. Und die kroatische Regierung tanzt zusammen mit dem Nationalen Hauptquartier mit Corona zu den Melodien des trendigen globalen PR.
Ministerpräsident Plenković, von seinem Urlaub in Opatija, nachdem er seine Lieblingsrezepte mit Verkäufern auf dem lokalen Markt geteilt hat, kündigt triumphierend an, dass wir die erste Halbzeit gewonnen haben und wir für den Herbst wachsam bleiben müssen. Er tanzt offensichtlich im Rhythmus der Rettung der kroatischen Tourismussaison und ist ziemlich zufrieden, weil das hastig erzielte touristische Ergebnis besser ist als erwartet. Sein Wiener Kollege, und gemäß der Parteizugehörigkeit seine Schwester, der österreichische Kanzler, Sebastian Kurz tanzt zu einem anderen Rhythmus. Er hat Kroatien besonders in seinen Kritiken zur Übertragung des Coronavirus während der Sommerferien ins Visier genommen und es auf die Liste der risikoreichsten Länder gesetzt (sogar vor Spanien), wodurch er österreichische Touristen, die in Kroatien Urlaub machen, praktisch zwingt, nach Hause zu eilen, wenn sie (geschäftliche) Unannehmlichkeiten durch Selbstisolierung und Quarantäne vermeiden wollen.
Österreichische, deutsche und slowenische Interessen
'Wir haben einen massiven Zustrom des Virus aus Kroatien', warnte Kurz und bezog sich auf 55 touristisch importierte registrierte corona-positive Fälle am Vortag, was sowohl offizielle kroatische Vertreter als auch österreichische Touristen verärgerte, die gezwungen waren, ihren Urlaub an unserer Küste zu verkürzen und nach Hause zurückzukehren. Obwohl sie sich in Kroatien sicherer vor Corona fühlten als zu Hause in Österreich. Aber das ist Kurz‘ interessengeleiteter Corona-Tanz. Er tanzt offensichtlich im Rhythmus der Rettung der Reste der österreichischen Tourismussaison (mit österreichischen Touristen), für die die kroatische Tourismussaison der Hauptkonkurrent ist.
Wir dürfen jedoch die Sorge um die Zukunft nicht übersehen – nach der Rückkehr aus Kroatien mit dem Virus werden österreichische Touristen im Herbst zu einem österreichischen Problem, einem Problem des ungewissen bevorstehenden Corona-Herbstes, den alle Länder gleichermaßen fürchten. So wie in der ersten Welle, als kroatische Touristen und Saisonarbeiter nach der Rückkehr vom Skifahren oder Arbeiten in Österreich zu einem kroatischen Problem wurden. Offizielles Deutschland ist, während ich dies schreibe, offiziell zurückhaltend gegenüber dem kroatischen Tourismus-Coronavirus aus mindestens zwei Gründen. Erstens konkurriert die kroatische Tourismussaison überhaupt nicht mit der deutschen. Und zweitens tanzt Plenković derzeit politisch die Versöhnung der Westbalkanländer zu den Noten von Angela Merkel, sodass das Coronavirus sofort weniger gefährlich ist.
