Als am Montagmorgen bekannt gegeben wurde, dass ‚Festnahmen und dringende Beweissicherungsmaßnahmen von PNUSKOK in Koordination mit USKOK (…) bezüglich zweier Personen, die verdächtigt werden, korrupte Straftaten begangen zu haben‘, durchgeführt werden, fragten sich die mit den lokalen PR-Bräuchen Vertrauten nicht zuerst, wer die Personen waren, sondern vielmehr, welche anderen Nachrichten vertuscht wurden.
In den letzten Jahren gab es Dutzende von Fällen von Ablenkung. Einige Stunden später stellte sich heraus, dass die Skeptiker einmal mehr recht hatten. Ein weiterer, nennen wir es so, Zufall trat ein. Es wurde bekannt gegeben, dass der Oberste Gerichtshof bestätigte, dass das finanzielle Gutachten von Ismet Kemal (KPMG) im Fall von ‚Big Agrokor‘ ein illegales Beweismittel war. Somit blieb die Anklage bezüglich der Entnahme von 1,2 Milliarden Kuna aus der Agrokor-Gruppe ohne Grundlage.
So medienattraktiv die Festnahme des ehemaligen Rektors von Zadar und des Direktors des Bauunternehmens mit einem ungewöhnlichen Namen – Graditelj svratišta d.o.o. (siehe das gleichnamige Buch von Ivan Aralica, hrsg.) – auch war, sie konnte die Aufmerksamkeit nicht von einer weiteren Wendung im Streit zwischen Ivica Todorić und staatlichen Institutionen ablenken. Besonders wenn man die Entscheidung des Internationalen Zentrums für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten aus Washington in der letzten Woche berücksichtigt, Ivica Todorićs Klage anzunehmen, in der er behauptet, der Staat habe sein privates Unternehmen beschlagnahmt.
Es gibt keine Unschuldigen
Die Intensivierung der Gerichtsereignisse im Zusammenhang mit der Agrokor-Krise von 2017 wird rechtliche Konsequenzen haben, aber man sollte mit einem Zeitrahmen von mindestens mehreren Jahren rechnen. Die Konsequenzen, die auf der politischen Bühne sichtbar werden könnten, werden, falls sie eintreten, im nächsten Superwahljahr sichtbar sein. Für die Zukunft der kroatischen Wirtschaft, Industrie und das Verhältnis zwischen großer Politik und großem Kapital ist es jedoch am wichtigsten, aus allem, was im Zusammenhang mit Agrokor, umbenannt in Fortenova, passiert ist und passiert, Lehren zu ziehen.
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In der ganzen Geschichte gibt es keine Unschuldigen. Ivica Todorić wird niemals zugeben, dass er durch die Entwicklung von Agrokor zugestimmt hat, ein extrem riskantes Spiel zu spielen. Er war der ehrgeizigste Unternehmer in Kroatien und einer der drei ehrgeizigsten in der Region. Er verfolgte Übernahmen und Modernisierungen mit großen Beträgen an geliehenem Geld. Man muss ihm zugestehen, dass er erstklassige Unternehmen in Bezug auf Produktion/Logistik geschaffen hat. Sowohl im Handel als auch in der Fertigung. Aber während seine Wettbewerber (z.B. Lidl) mit kostenlosen Finanzierungsquellen expandierten, finanzierte Agrokor seine Expansion mit zweistelligen jährlichen Zinssätzen. Als der Cashflow kompliziert wurde, traten grenzwertig akzeptable Beziehungen zu Lieferanten auf.
