Im kroatischen Energiesystem war 2024 ein Jahr der Abhängigkeit von Importen, die deutlich ausgeprägter war als in den Vorjahren. Laut Eurostat-Daten erreichten die Nettostromimporte 25,8 Prozent des für den Endverbrauch verfügbaren Stroms. Damit gehört Kroatien zu den prominentesten Nettokäufern in der Europäischen Union, neben Malta, Estland und Litauen.
Gleichzeitig verzeichnete die Union als Ganzes einen leichten Nettostromexport von 0,5 Prozent, was darauf hinweist, dass die EU, betrachtet als Energieblock, es schafft, Produktion und Verbrauch dank verbundener Märkte und grenzüberschreitender Übertragungsleitungen ins Gleichgewicht zu bringen.
Warum Kroatien so viel Strom importiert
Drei Hauptfaktoren beeinflussen die Energiebilanz Kroatiens. Der erste ist die Hydrologie; in trockeneren Jahren sinkt die Produktion aus Wasserkraftwerken stark, und der Rückstand wird durch Importe ausgeglichen. Der zweite ist der Energiemix, in dem erneuerbare Quellen stark wachsen, aber variabel sind; wenn nicht genug Wind oder Sonne vorhanden ist, muss das System auf grenzüberschreitende Lieferungen angewiesen sein. Der dritte Faktor ist die strukturelle Verbindung zu Slowenien. Da Kroatien an der Eigentümerschaft des Kernkraftwerks Krško beteiligt ist, wird ein Teil dieser Energie in den Statistiken als Importe erfasst.
Laut der IEA war Kroatien im Jahr 2023 nahe an der Energiebilanz, während es 2024 aufgrund geringerer Produktion und höherer Brennstoffpreise wieder in eine Importposition zurückfiel. Im Vergleich zu 2022, als die Importe leicht unter 10 Prozent lagen, zeigt der aktuelle Prozentsatz, wie entscheidend Wetterbedingungen und Marktbewegungen im Stromsektor sind.
Deutschland: Vom Exporteur zum Importeur
Auf europäischer Ebene war 2024 ein Jahr großer Kontraste. Die größten Nettostromexporteure waren Schweden (-26,7 %) und Frankreich (-21,8 %), dank einer Kombination aus Kern- und Wasserkraftproduktion. Es folgten Slowenien (-18,5 %), Norwegen (-14 %) und die Slowakei (-12,9 %). Auf der anderen Seite stehen Luxemburg (83,4 %), Litauen (46,1 %), Estland (36,6 %), Malta (33,4 %) und Kroatien (25,8 %) — alles Länder, die einen signifikanten Anteil an Strom für den Inlandsverbrauch importieren.
