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Chefökonomen der Banken: Kroatien steht nach EU-Fonds nicht vor einem „Abgrund“

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Die kroatische Wirtschaft wird voraussichtlich in den nächsten zwei Jahren stabil wachsen, ohne eine plötzliche Verlangsamung nach dem Auslaufen der Mittel aus dem Europäischen Wiederaufbau- und Resilienzmechanismus. Dies zeigen die Ergebnisse der Dezemberumfrage, die vom Club der Chefökonomen der kroatischen Banken durchgeführt wurde, im Auftrag der Kroatischen Bankenvereinigung von Arhivanalitika.
Laut den durchschnittlichen Prognosen von vier führenden bankwirtschaftlichen Instituten wird das reale BIP-Wachstum im Jahr 2025 in einem sehr engen Bereich zwischen 3,0 und 3,2 Prozent liegen, während für 2026 eine leichte Verlangsamung auf durchschnittlich 2,8 Prozent erwartet wird.

Wachstum wird durch öffentliche Konsumausgaben und Investitionen angetrieben

Für 2025 bleibt nur die Ankündigung der Daten für das vierte Quartal aus, aber die Chefökonomen betonen, dass der Spielraum für Überraschungen minimal ist. Die Hauptwachstumstreiber waren der öffentliche Konsum und die Investitionen, während der private Konsum auf 2,8 Prozent verlangsamt wurde, nach einem starken Wachstum von sechs Prozent im Jahr 2024.
Die Exporte hatten im Jahr 2025 nur etwa zwei Prozent reales Wachstum, hauptsächlich aufgrund schwächerer Dienstleistungsexporte im dritten Quartal, die als leichter Bremsfaktor für das Gesamtwachstum wirkten.
Für 2026 erwarten die Ökonomen ein anhaltendes Wachstum der Investitionen (4,8 Prozent), während der private Konsum stabil bleiben sollte, mit einem Wachstum von rund 2,7 Prozent. Der Staatskonsum verlangsamt sich, trägt aber weiterhin positiv zur Wirtschaft bei.

Inflation sinkt, Löhne steigen weiter

Die Inflation wird voraussichtlich von 3,7 Prozent in diesem Jahr auf 3,1 Prozent im Jahr 2026 fallen und 2027 weiter sinken. Trotz dessen bleibt das Lohnwachstum stark – fast sechs Prozent im Jahr 2026 und rund 4,4 Prozent im Jahr 2027, was einen starken Arbeitsmarkt und eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit bestätigt.
Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich bis 2027 auf 4,7 Prozent sinken.

Fiskalisches Defizit am Rand der europäischen Regeln

In den fiskalischen Projektionen folgen die Chefökonomen weitgehend den Regierungsplänen. Für 2026 wird ein allgemeines Staatsdefizit von rund drei Prozent des BIP erwartet, was genau an der Grenze der Maastricht-Kriterien liegt.
Obwohl dies derzeit kein direktes Problem darstellt, warnen die Ökonomen, dass der fiskalische Spielraum schwindet und weitere Ausgabenerhöhungen Vorsicht erfordern werden.

Kein „Abgrund“ nach EU-Fonds

Eine der zentralen Botschaften aus der Umfrage bezieht sich auf den Zeitraum nach 2026, wenn die intensive Nutzung von EU-Fonds voraussichtlich enden wird. Entgegen den Befürchtungen über den sogenannten „Abgrund-Effekt“ deuten die Prognosen für 2027 nicht auf einen drastischen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität hin.
Das erwartete BIP-Wachstum von 2,7 Prozent im Jahr 2027 deutet auf eine leichte, aber kontrollierte Verlangsamung hin. Der schwächere Beitrag des öffentlichen Konsums und der Investitionen wird durch eine Beschleunigung der Exporte kompensiert, die voraussichtlich um rund drei Prozent wachsen werden.

Deutschland und die Eurozone: vorsichtiger Optimismus

Die Beschleunigung der Exporte basiert auf moderat optimistischen Erwartungen für die Eurozone, insbesondere Deutschland, Kroatiens wichtigstem Handels- und Tourismuspartner.
Die Ökonomen warnen, dass deutsche fiskalische Anreize die Erholung im Jahr 2026 unterstützen werden, aber die negativen Auswirkungen amerikanischer Zölle, insbesondere in der Automobilindustrie, nicht vollständig neutralisieren werden. Daher wird das Wachstum in Deutschland begrenzt bleiben, und die Erholung wird allmählicher sein, als es die fiskalischen Anreize allein vermuten lassen würden.

Stabilität angesichts von Produktivitätsherausforderungen

Die abschließende Botschaft der Umfrage ist, dass Kroatien in eine Phase stabilen, aber anspruchsvolleren Wachstums eintritt. Nach einem starken Investitionszyklus und historisch hoher Beschäftigung wird die weitere Entwicklung zunehmend von Produktivitätswachstum, der Qualität der Institutionen und dem Exportpotenzial abhängen.
Der makroökonomische Rahmen bleibt solide, aber der Spielraum für Fehler schrumpft, sagen der Club der Chefökonomen der kroatischen Banken

zu dem Ivana Jović von der Privredna banka Zagreb, Hrvoje Dolenec von der Zagrebačka banka, Alen Kovač von der Erste&Steiermärkische Bank und Zrinka Živković-Matijević von der Raiffeisenbank Österreich Zagreb gehören.